Der Salon

Salon suggeriert einen Ort, wo man sich zum Kennenlernen und geistigen Austausch in geselliger Atmosphäre trifft – ein Nachklang an die Pariser und Berliner Salons von einst. Die Themen waren der Philosophie und ihren Wissenschaften gewidmet.

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Optisches Kabinett

Das Optische Kabinett wurde als Lehr-Museum eingerichtet. Erfahren Sie, wie eine optische Täuschung funktioniert oder schauen Sie sich einen rustikalen Fernschreiber aus dem letzten Jahrhundert an. Erleben Sie auch, wie Elektrizität und vieles mehr entsteht.

Zum "Optischen Kabinett"

Es wird nichts mehr so sein, wie es  einmal war. An jenem Morgen des 11. September saß ich  zusammen mit ein paar Dutzend Kollegen in einem Vortragssaal von NIST,  dem National Institute of Standards and Technology in Gaithersburg nördlich von Washington. Wir waren Teilnehmer einer internationalen Konferenz der Properties of Water and Steam, die einmal jährlich in jeweils einem anderen Land abgehalten wird. Dieses  Jahr, 2001, waren die USA das Gastland, und die Organisatoren entschieden sich für Washington als Tagungsort. Wir palaverten gerade über die Prioritäten förderungswürdiger Projekte, als Aneke Senghers in den Saal kam und um Gehör bat. Sie hat eine Professur für Thermodynamik an der University of Maryland und betreut unsere Treffen. Ihr Gesicht war ernst: Zwei Passagiermaschinen sind mit dem World Trade Center in New York kollidiert. Beide Türme brennen, was genau passiert ist, weiß man noch nicht. Wir begriffen, es mußte etwas sehr Schlimmes sein. Aneke Senghers sprach mit bedrückter Stimme. Als sie geendet hatte, zwang sie sich ein Lächeln ab: Es wird schon alles gut werden. Wie im Juli 1945, entsann ich mich, als eine  verirrte Militärmaschine bei dichtem Nebel in das Empire State Building raste. Ein Loch in der Mauer, ein Brand, der bald gelöscht wurde, ein Dutzend Tote. Solche Hochhäuser halten einiges aus – hoffte ich.

Wir unterbrachen die Sitzung. In einem Raum nebenan warf ein Fernseher das Bild der Zwillingstürme auf eine Projektionsfläche: Aus den Mauern quoll dicker, rußiger Qualm. Da war etwas Unheimliches, Bösartiges in Szene gesetzt, wie in einem Science Fiction Film. Das Gehirn sträubte sich, das Bild so schlicht als wirklich hinzunehmen. Es war das erste von vielen schrecklichen Bildern. Dann kam die Nachricht, ein weiteres Flugzeug sei in das Pentagon in Washington gestürzt. Nun war klar: Da war etwas Unfaßbares passiert, ein konzertierter Terroranschlag. NIST ist eine Bundesbehörde, das Gebäude zählt zu den gefährdeten Objekten, also wurde es unverzüglich evakuiert.

Ein Bus brachte die Teilnehmer der Konferenz zum Holiday Inn bei  Shady Grove, am Ende einer U-Bahnlinie, wo wir wohnten. Im Hotel vermißte ich meine Frau. Ich empfand die Leere im Zimmer als beklemmend und legte mich auf das Bett. Ich wünschte mir eine Art Erstarrung, um das dumpfe Ziehen in der Brust zu betäuben. Meine Frau begleitet mich öfters zu Konferenzen und geht dann tagsüber ihre eigenen Wege. Gestern ließ sie sich mit einer Bimmelbahn für Touristen durch Washington kutschieren, die Mall entlang, nach Arlington, zum Weißen Haus, zum Capitol und durch Georgetown, schlenderte durch Washingtons World Trade Center, kaufte sich ein Eis und setzte sich auf eine Bank. Während sie an ihrem Eis leckte, lauschte sie einer Jazz-Kapelle, die im Freien spielte. Was für ein herrlicher, sonniger Tag!

Meine Frau hat ein geselliges Naturell, schließt sich aber dem konventionellen Damenprogramm bei Konferenzen nicht gerne an. Man nimmt es ihr nicht übel. Sie ist in der Welt viel gereist, kommt überall gut zurecht, spricht fließend Englisch, kennt und liebt Amerika. Das ist ihr erster Besuch in Washington, und sie möchte es auf ihre eigenwillige Art selbst entdecken. Warum kommt sie nicht? Ich liege schon eine halbe Stunde regungslos auf dem Bett. Endlich  das erlösende Geräusch des Schlüssels an der Tür. Da war sie: Spät aufgestanden, hatte Nachrichten gehört, war mit der U-Bahn nur eine Station zum nächsten Shopping Center gefahren.

Mein Manhattan – wie oft habe ich mich in ihm wiedergefunden: In kindlichen Träumen und Sehnsüchten voller Neugier, als ich nach Kriegsende noch zwanzig Jahre warten mußte, bis ich endlich im eigenen Auto, einem Ford 61 Galaxie, durch Harlem in Richtung Downtown fuhr, mit angehaltenem Atem, denn es war der heiße Sommer 1966, die Rassenfrage hatte sich zugespitzt. Ich entsinne mich genau, wann ich erstmals von New York hörte. Ich war etwa fünf Jahre alt, noch war Frieden zwischen Deutschland und den USA, da kam mir eine Illustrierte mit einem Foto von Manhattan in die Finger. Ich war perplex: So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich lief mit dem Bild  zu meinem Vater: Was ist das? Das ist Neu York, sagte er. Die hohen Häuser nennt man Wolkenkratzer. Häuser? Das sind doch keine Häuser. Häuser sehen anders aus. Unser Haus hatte vier Stockwerke und ich fand es schon ziemlich hoch. Daß Baugrund enorm teuer sein konnte, davon hatte ich keine Ahnung. So nahm ich an, die Amerikaner hatten ihren Spaß daran, Häuser so hoch wie Türme zu bauen, und ich hielt sie für ein wenig verrückt. Seit jenem fernen Tag existiert für mich New York, damals noch als Synonym für ein Zauberland, in dem alles möglich war, unerreichbar für mich, denn der Ozean war weit und tief.

Am nächsten Tag rief ich Nancy Kinney in New York an: Wir sitzen in Washington fest, müssen den Besuch absagen. Den Flug habe ich schon storniert. Es fliegt nichts mehr. Über dem ganzen weiten Land, vom Atlantik zum Pazifik, schweigt der Himmel. Wie es ihr ginge? Nancy sagte, über der Stadt hinge eine Dunstglocke wie von Chemikalien, sie fürchte, den Geruch in ihrer Nase nie mehr loszuwerden. Manche Leute trügen Atemschutzmasken. Hast du sonst noch etwas mitbekommen? Ja, ich sah Menschen in die Tiefe springen. Besser so, als verbrennen. Nancy ist ein Sprachgenie und als Übersetzerin für Russisch und Spanisch beim FBI tätig. Sie spricht auch Kisuaheli und Arabisch. Es ist schon ein beklemmendes Gefühl, wenn ich wieder ins Büro gehen muß, sagt sie. Es ist ja auch ein Hochhaus, und dann FBI! Sie ist kein ängstlicher Typ. Ich habe sie im Dschungel, im Quellgebiet des Amazonas, kennen gelernt. Es hat ihr nichts ausgemacht, in einem Tümpel zu baden, in dem Piranhas herumflitzten. Später erzählte sie mir folgende Episode: Man hatte zwei verdächtige Typen geschnappt, offenbar Orientalen, die sich mit einer Kamera um das FBI-Gebäude herumtrieben. Sie wurden verhört, man nahm ihnen die Filme weg, ließ sie jedoch laufen, bevor die Filme entwickelt waren. Wie sich herausstellte, hatten die beiden alle neuralgischen Punkte des Gebäudes fotografiert, die für sich für eine Terrorattacke anboten. Nun waren sie über alle Berge. Man greift sich an den Kopf! So viel schien sicher: Sie gehörten zu dem konspirativen Kreis, der die Anschläge auf das World Trade Center, das Pentagon  und – wie später feststand – das Capitol plante.

Das  Datum des nine eleven ist eine scharfe Zäsur, die die Zeit in ein Vorher und ein Nachher teilt. Das gewöhnliche Böse auf der Weltbühne hat sich seine Opfer bisher woanders gesucht: In Bombennächten und Hiroshima, in Vernichtungslagern, in der ukrainischen Hungersteppe, in Kambodscha und Ruanda, auf den Todesmärschen der Hereros und der Armenier. Dieses Mal sind wir gemeint. Wir – das ist nicht nur New York, obgleich die Verwundung nirgendwo heftiger schmerzt als hier. Wir, das ist unsere westliche Zivilisation, ist unsere abendländische Kultur, sind unsere christlichen Werte. Zum ersten Mal denken wir darüber nach. Ja, wir hatten schon eine leise Ahnung, wo nach dem Ende des Kalten Krieges die neue Front verlaufen könnte. Das Menetekel erschien mit der islamischen Revolution im Iran an der Wand. Welche unfaßbaren, brutalen Kräfte erzwingen den Lauf der Geschichte? Was am 11. September die Welt erschüttert hat, läßt den Homo Sapiens ratlos zurück.

Was eigentlich ist in New York und Washington geschehen? Der Rückgriff auf historische Muster läuft ins Leere. Wir finden in den Anschlägen den paranoiden Wahn der Zerstörung, die Ideologie destruktiver Hirngespinste unter dem Banner Mohammeds. Das Neue jedoch, mit dem wir nicht fertig werden: Die dreiste, kalkulierte Opferung des eigenen Lebens. Das schließt jeden Schacher mit dem Gegner aus. Er wäre allenfalls bereit, um Logenplätze im Paradies zu feilschen. Wir kommen mit ihm nicht auf Augenhöhe. Was ist das für ein Leben, das sie so leichtherzig wegschmeißen? Warum sollte ihnen dann das Leben von 3000 ahnungslosen New Yorker Bürgern mehr wert sein als ihres? Wir haben keine Chance. Wir haben es mit einem erbitterten, todesverachtenden Gegner zu tun, mit dem es auf keinem Bazar etwas zu handeln gibt.

Der Amerikaner findet rasch zurück zum  business as usual. Die Uhr tickt weiter, einen Tag lang nach dem Anschlag ruht das Leben in Washington, dann öffnen die Museen wieder. Nur wenn eine Polizeisirene heult, schrecken wir auf: ist wieder etwas? Das geht auch anderen Passanten so, und man wechselt verständnisvolle Blicke. Meine Frau und ich dinieren in dem renommierten Seafood-Restaurant McCormick im Zentrum von Washington, dort wird eine Auslese von zehn verschiedenen Arten von Austern angeboten. Ein wenig geniert man sich, daß es doch recht gut schmeckt, nach all dem, was passiert ist.  Keine Sorge: Der 11.September wird uns für den Rest des Lebens wie ein Schatten folgen, auch wenn wir mit gutem Appetit speisen. Gestern abend fuhren wir zu den Washingtonians zum Dinner in einem mexikanischen Restaurant: Auf allen Tischen standen Kerzen zum Gedenken der Tragödie. Gewiß hatten die Gäste einen Augenblick des Schweigens eingelegt und sich dann ihrer Mahlzeit zugewandt. Sie werden diesen Tag dennoch nicht vergessen, werden sich immer entsinnen, wo sie waren, was sie gerade taten, als die ungeheuerliche Nachricht kam.

Die Kollegen waren einer Meinung, mit der Konferenz weiter zu machen. Wir brauchten nur ein paar Räume und Overhead-Projektoren, die das Hotel uns zur Verfügung stellte. In die NIST-Zentrale konnten wir nicht zurückkehren. Ich hielt meinen Vortrag. Dann sann ich mit meiner Frau darüber nach, wie wir aus Washington herauskämen. New York war vom Reiseplan gestrichen, unser nächstes Ziel war Ottawa, wo wir alte Freunde hatten aus der Zeit, als ich im National Research Council of Canada als Postdoctorate  Fellow arbeitete. Die Flughäfen Washingtons waren geschlossen, die Eisenbahn ausgebucht, ebenso Greyhound, und Leihwagen waren nicht zu haben. Mit Glück ergatterten wir in Rockville ein Mietauto. Unser Ziel war Buffalo, von dort aus würden wir es mit dem Bus bis Ottawa schaffen. Es war eine angenehme Fahrt durch den beginnenden Herbst in Pennsylvania, ganz ungeplant, wir hielten Rast  an einem Weingut, suchten uns in Dubois ein Motel und ein bescheidenes Lokal mit einer Bar. Ein wenig small talk, Nippen an unserem Lieblingsdrink Margarita – nicht frozen, sondern classic! Was ich empfand, ist schwer zu beschreiben: Ich hatte mich in den USA niemals fremd gefühlt. Aber heute  gehörte ich  hierher, war einer von ihnen, hatte das Entsetzen mit erlebt, um das Leben meiner Frau gebangt. Ich litt mit ihnen im Bewußtsein, wie tief die Menschen die Vernichtung der stolzen Zwillingstürme mitten ins Herz getroffen hat. Ich bin froh, daß wir hier sind, sagte ich zu meiner Frau. Wir waren uns einig.

Wir hatten 1945 den Krieg satt, fürchteten die Russen, und als die Amerikaner kamen, atmeten wir auf. Jetzt konnte uns eigentlich nichts mehr passieren. Ich war noch nicht zehn Jahre alt. Wir  lebten in einem Dorf in Bayern.  Im Hause meiner Tante wurde ein Sprachkurs in Englisch abgehalten, an dem auch meine Mutter und ich teilnahmen. Die Lehrerin war eine fähige Pädagogin, und bald war ich so weit, daß ich mich mit amerikanischen Soldaten  in basic English unterhalten konnte. Ich entsinne mich, als mir eines Abends auf der dämmerigen Dorfstraße zwei GI's entgegenkamen, da fing  ich an zu singen: There came to my window one morning in spring a sweet little robin, it came to sing…Oh! riefen die beiden Soldaten, offensichtlich  freudig überrascht,  und reichten mir Bonbons. Mein Großvater, Jahrgang 1863 – ich  habe ihn nicht mehr kennen gelernt  – riß mit siebzehn Jahren von zu Hause aus, fuhr mit einem Freund nach Hamburg, in der Absicht, in Amerika sein Glück zu versuchen. Der Freund schaffte es, besaß schließlich ein Hotel in den USA, schickte ein paar Dollars in der Inflationszeit unserer Familie. Mein Urgroßvater jedoch war seinem Sohn nach Hamburg nachgereist, fing ihn dort ab und brachte ihn nach Hause zurück. Das Schiff mit seinem Freund an Bord segelte ohne ihn nach New York. Mein Großvater wurde Bahninspektor in einer tschechisch-bayerischen Grenzstadt, bis er starb. Was von ihm überliefert wurde, waren nur drei Urlaubsreisen – nach Oostende in Belgien, Triest in Italien und Marienbad in Böhmen. Amerika blieb für ihn ein Traum.

Meine Mutter malte in Öl. Ihre Motive waren Blumen oder Landschaften. Manhattan, das Porträt einer Stadt, blieb eine Ausnahme. Mit ihr ging der Traum des Vaters in Erfüllung: Sie war mehrmals in New York. Das Gemälde mit der charakteristischen Skyline entstand, als das World Trade Center noch nicht existierte. Ich bin froh darum. Noch jetzt vermeide ich den Blick auf ältere Fotos, auf denen die beiden Türme zu sehen sind. Ich mache auch einen Bogen um Ground Zero. Diesem leeren Ort des Bösen und des Grauens will ich keinen Blick schenken. Natürlich verstehe ich, daß New York mit dem Platz etwas anfangen muß. Das Leben hält nicht still.  Auf dem Gemälde meiner Mutter erscheint Manhattans Skyline noch unzerstörbar. Vor der Zäsur. Zwischen dem Davor und dem Danach.

In den letzten Jahren war ich regelmäßig im November, eine Woche vor Thanksgiving, nach Clearwater Beach in Florida zu einem wissenschaftlich-technischem Seminar gereist. Die Themen drehten sich um die Meßtechnik in Kraftwerken. Nun schrieben wir 2001, die Türme des World Trade Centers waren gefallen, der Flugverkehr nach USA drastisch zurückgegangen. Wer nicht fliegen mußte, ließ es bleiben. Meine Frau versuchte aber gar nicht, mich von dem Trip nach Clearwater Beach abzubringen. Ihre Bedingung war nur: bei keiner amerikanischen Fluglinie buchen. Die Angst, der Terror möchte wieder aus dem Hinterhalt zuschlagen, steckte noch in den Knochen. Ich hatte ohnehin vor, mit Air France über Martinique nach Miami zu fliegen, um mir die Insel anzuschauen, auf der der Vulkan Mount Pelée 1901 die Stadt St.Pierre ausgelöscht hatte – das damalige Paris der Karibik. Daß von 30000 Bewohnern nur ein einziger überlebt hatte – der Insasse eines winzigen Gefängnisses mit starken Mauern – blieb lange ein Rätsel, denn die Stadt war nicht in dem Ausmaß zerstört, um den Totalverlust der Bevölkerung zu erklären. Die moderne These von der Glutwolke, die die Stadt überrollte, erlaubte das Phänomen zu verstehen.

In Tampa stieg ich in ein Taxi, die Fahrt zum Sheraton Hotel in Clearwater Beach dauert vierzig Minuten, es war Sonntag und entsprechend dünn der Verkehr. Ich war glücklich, ich war wieder zurück. Der Himmel war etwas diesig, aber noch immer wolkenlos klar, die Temperatur lau, die Luft seidig, anschmiegsam. Was hätte ich versäumt, wäre ich nicht gekommen, allein diese Art von Wetter so hautnah zu fühlen: November in Florida. Der Taxifahrer erzählte, er sei Moslem und seine Familie komme aus Bombay. Er schien nicht  glücklich: Warum fragt man mich immer wieder,  erregte er sich, ob  ich die Attacke auf das World Trade Center in Ordnung finde, denn schließlich sei ich ja ein Moslem. Natürlich finde ich das alles schrecklich – aber kann ich etwas daran  ändern? Bin ich als Moslem  mit schuld daran?  Ich möchte ihm gerne erklären, warum Amerikaner solche sensiblen Fragen stellen: Da ist noch immer die Ratlosigkeit, wie so etwas wie die Vernichtung des Word Trade Centers überhaupt passieren konnte. Sind nur die Täter schuldig? Atta – das Gesicht mit dem kalten, starren Blick, tagtäglich in den Zeitungen gegenwärtig. Damit man dieses Spiegelbild des Bösen nie mehr vergißt. Oder sind auch andere mitschuldig: Die Massen jubelnder, auf der Straße tanzender Palästinenser, als sie von der Tragödie erfuhren. Oder die Indifferenz der Moslems mit amerikanischem Paß. Vielleicht weiß ja er, der brave Moslem aus Bombay, eine Antwort.

Womöglich kann man das Buch der Versöhnung mit den vielen leeren Blättern gleich wieder zuklappen. Erinnern wir uns doch an Susan Sontags Kommentar zu der Tragödie: An diesem Unglück seien in erster Linie die Amerikaner selbst schuld wegen …etc… etc… bla bla. Oh sie freuten sich, unsere Freunde in Ottawa, daß uns in Washington kein Unheil zugestoßen war. Das Ereignis selbst hatte sie nicht sichtlich erschüttert. Kanadier mögen Amerikaner nicht besonders. Nadelstiche, kein Gepolter, aber doch eine Art Erbfeind. Wieviel Mitgefühl können wir dann von den Moslems erwarten? Ich versuche das entsetzliche Bild vor meinen Augen fort zu wischen: Vier Menschen, davon eine Frau mit brennendem Haar, fassen sich an den Händen und lassen sich in den Abgrund fallen. Ihre letzte Entscheidung: Es ist angenehmer zerschmettert zu werden als zu verbrennen. Ich frage mich in dem Augenblick nicht, was mir an den USA alles Mögliche nicht gefallen mag.

 

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